manchmal wird der platz zu knapp und der kopf fuehlt sich eingeengt angesichts der dinge, die passiert sind. und dann scheint es an der zeit, neu anzufangen, an anderer stelle, an der man ploetzlich wieder atmen kann und die fesseln, die man sich auf grund der aeusseren umstaende selbst angelegt hat fallen ab und auf einmal ist das, was vorher war wieder da.
die zeit ist reif.
danke fuers mitlesen.
“Was ich mir wünschen würde, wenn eine Fee käme, fragt sie. Ich weiß es nicht, und egal wie sehr ich darüber nachdenke, es fällt mir einfach nichts ein. Seit ein paar Jahren gibt es da nichts mehr, seit ein paar Jahren habe ich das Gefühl, dass ich nur noch eine Weile durchhalten muss, weil es dann auf einmal von selbst klar werden wird, diese Sache mit dem Ankommen und dann plötzlich Bescheid wissen. An jeder verdammten Kreuzung denke ich, dass die Straße danach ein bißchen weniger holprig wird. Dass es gut ist, eine Weile ohne Ziel umher zu fahren, vielleicht ist ja auch der Weg das Ziel, vielleicht bin ich einfach noch nicht lange genug gefahren. So funktioniert es nicht, anscheinend. Ganz ohne irgendwelche Wünsche und Träume, ohne Ziele und Mindestanforderungen an das Ganze hier. Es wird nicht einfacher, anscheinend. Vielleicht reicht das als Erkenntnis, vielleicht aber auch nicht.”
[manchmal, da kriegt man eine richtig fette Gaensehaut vom Lesen]
gefunden bei der unglaublich empfehlenswerten und grossartigen Happy Schnitzel
laueft der fernseher, der ventilator dreht auf hochtouren und trotzdem scheint die hitze nicht ertraeglicher zu werden. den halben tag im bett verbracht, zu warm hier. ich bin muede. muede vom nie ankommen, nirgends bleiben, immer ruhelos von einem ort zum naechsten, mehr sehen, ein bisschen angst im hinterkopf, etwas zu verpassen, irgendwo nicht gewesen zu sein. der versuch, mich zur ruhe zu zwingen, der in schlechtem gewissen endet.
dinge im kopf, die dort laengst nicht mehr hingehoeren, die verarbeitet und im ordner vergangenheit abgelegt sein sollten, aber immer wieder im to do fach enden. vielleicht den vielen emotionen einfach nie genug raum und zeit gegeben, um sich zu beruhigen, sich zu entfalten um dann langsam in sich zusammenzufallen. der beinahe unbaendige drang zu schreien, mit tueren zu schlagen, dinge zu werfen und hoffentlich irgendwann erschoepft auf dem boden sitzen und endgueltig alles losgeworden zu sein. dinge abzuschliessen. ruhen lassen. nicht permanent nachdenken zu muessen, dinge einfach stehen zu lassen statt anzufangen zu schreiben um vor dem senden doch wieder alles zu loeschen. nicht nachzusehen. die sich selbst angelegten fesseln irgendwann einfach nicht mehr zu brauchen. weil es gut so ist. weil alles gesagt und getan ist, weil ich einsehe, dass es so nicht geht. dass das staendige erinnern, der permanente reminder an allen ecken und enden alles nur noch schwieriger macht. loeschen ist [noch] keine option, der gedanke an die endgueltigkeit [noch] nicht ertraeglich. auch wenn eine leise stimme fluestert, dass es bestimmt besser so waere. leichter. aber wann bin ich schonmal den leichten weg gegangen. der weg fuehlt sich nicht nur nach einer dirtroad sondern einem schmalen, steilen pfad an, und ich fuerchte permanent, den falschen abzweig zu nehmen, daneben zu treten oder zu fallen. ich versuche, wenig laerm zu machen, kaum staub aufzuwirbeln und leise immer weiter zu gehen, bis alles weit hinter mir liegt, bis mein kopf wieder frei ist und mein herz nicht mehr krampft.
mehr zeit. ich brauche mehr zeit.
werde ich mich wundern ueber mich selbst, mich aergern, vielleicht aber auch nicht. vielleicht werde ich endlich begreifen dass das hier nicht dafuer gemacht ist, zu rennen. es ist zum fuehlen, sehen, erleben. und all das braucht zeit. nach so vielen busfahrten, zugtrips und den vielen gelaufenen kilometern bin ich muede. alles wird grau ab und zu, als wuerde mein browser abstuerzen. und dahinter verblassen all die farben und bilder, und egal, wie aufregend all das ist, was sich da gerade selbst aufhaengt, ich komme nicht ran. heute ist einer dieser tage. einer von denen, wo ich mich frage warum ich das alles eigentlich mache. warum ich mich 21h quaele, nur um die naechste stadt mit den gleichen menschen und aehnlichen strassen zu begutachten, um immer weiter nach dem erlebnis zu suchen, dass die reise unvergesslich macht- und dabei vollkommen aus den augen zu verlieren, dass es meist micht die stadt, sondern die menschen sind, die eine sache erst zum erlebnis machen. und so sitze ich hier, unter, vor und hinter mir eine weitere stadt mit weiteren strassen, weiteren ‘must-see’-sights, weiteren touren die mich an all die stellen bringen wollen, die mich nicht interessieren. ich moechte das land kennenlernen. aber ich fuehle mich selten willkommen, meist jedoch geduldet. man wirft mich in einen topf mit den vielen anderen, die noch weniger ahnung als ich von der kultur haben, in der sie sich bewegen. die sich betrinken, weil es billig ist und man so ja auch seine zeit herumbringt. weil man am ende sagen kann: klar, da war ich auch. wie gern wuerde ich mich ausserhalb dieser masse bewegen, mich absetzen und einen anderen weg gehen. und scheinbar ist es moeglich. man muss nur wollen. oder eben seine furcht ueberwinden. oder einfach die fresse halten und sich seinem schicksal fuegen. sich damit abfinden, eben nicht das land zu sehen sondern nur das, was das land mir anbietet. diesen kleinen, aufpolierten ausschnitt, der nichts aussagt, der schickgemacht und hergerichtet wurde fuer uns. die meisten hier freuen sich ueber die vielen restaurants, die sich auf ‘western food’ spezialisiert haben, die touren von grab zu grab, verbotener stadt zu kirche, kultur in kleine, leicht verdauliche haeppchen verpackt.
und ich schwanke zwischen noch schneller gehen oder doch noch zwei gaenge zurueckschalten und bin veraergert ueber meine unentschlossenheit, die mich im nichtstun verharren laesst wie ein geblendetes reh im lichtkegel.
warten auf einen besseren tag. darauf, dass alles wieder in allen farben erstrahlt. dass die energie zurueckkommt. der enthusiasmus. auf morgen. aber wer weiss das schon so genau.
da drueben passiert so einiges, leider eben auch fuer das familiaere umfeld gedacht deshalb wenig emotional und eher eine langweilige aneinanderreihung von ereignissen, orten. und es fehlt so viel, von all dem, was in mir passiert, was in sich zusammenfaellt und wo langsam neues entsteht, wo ich mich muehsam aus meiner zu eng gewordenen schale quaele, mich neu erfinde und am naechsten morgen doch wieder alles beim alten ist. die momente, in denen ich frustriert traenen in den augen habe, weil es eben nicht staendig alles super und wundervoll und grossartig sein kann. wenn ich am bus stehe und alles lacht und redet miteinander und ich einfach nur meine ruhe haben will. und im naechsten augenblick feststelle, wie schwer ich einsamkeit ertrage, wie sehr ich mich muehe, alleine zu sein. wie oft ich an mir selbst zweifle. und dann trotzig die nase in die luft zu strecken und mir schwoere, dass ich hier bin um mir selbst zu beweisen, dass ich es kann.
all das bleibt aussen vor. oder besser gesagt, in mir drin. vielleicht auch besser so.
[heute mal wieder zeit, ausgiebig zu lesen. auch schoen nach zwei monaten. liz heisst jetzt elisabeth rank und macht aber zum glueck immernoch das, was sie die ganze zeit gemacht hat. beeindruckend.]
ist es soweit. die koffer [respektive rucksäcke] sind gepackt, das handy ist ausgeschaltet, es gab viele umarmungen und jetzt bin ich einfach nurnoch froh, der kälte zu entkommen. wenn sie möchten, können sie hier nachlesen, wie es mir so ergeht. und während ich unterwegs bin halten sie die ohren steif und genießen sie ihr leben.
wundervoll wie still es plötzlich mitten in der Stadt wird. wie der Schnee alle Geräusche aufsaugt. wie für einen kurzen Moment Ruhe einkehrt. als würde die Stadt für einen Augenblick die Luft anhalten.
ab und zu, vor allem während ich mich mittendrin befand dachte ich, wie schön es wäre die Zeit zurückzudrehen, doch noch irgendwo unterwegs einen anderen Pfad wählen zu können. Um nachher festzustellen: eigentlich war es gut so wie es war. Auch wenn vieles schmerzhaft und langwierig war in diesem Jahr. Und oft muss ich mich daran erinnern dass bei weitem nicht alles schlecht war, ganz im Gegenteil. Nur leider tendiert mein Gehirn -respektive Gedächtnis- dazu, eher die weniger angenehmen Augenblicke zu speichern, weshalb ich inzwischen eigentlich fast immer eine mehr oder minder dezente Stütze mit mir herumtrage.
Und wenn ich mich umdrehe und innehalte, alle Aspekte der vergangenen 12 Monate in all den Facetten versuche zu begreifen dann merke ich, wieviel weiter mich dieses Jahr gebracht hat. Wie oft ich an meine Grenzen gestoßen bin und trotzdem alles irgendwie irgendwann weiterging. Wieviele wundervolle Momente ich mit so vielen liebenswerten Menschen verbracht habe. Dass ich es kann wenn ich nur daran glaube. Dass ich allein mir beweisen kann, dass es in meiner Hand liegt. Wie sehr sich mein Denken und Handelnam Ende doch verändert hat. Wie lange ich mit mir und meinen Entscheidungen gehadert und alles 2,000 mal in schlaflosen Nächten abgewägt habe. Dass jetzt plötzlich etwas vollkommen Neues auf mich wartet. Und auf einmal die Augen wieder offen und die Gedanken frei sind.
Dann, während ich kurz die Luft anhalte merke ich, dass ich zufrieden bin. Mit dem, was ich mir vorgenommen und durchgezogen habe. Mit dem, was in den letzten 12 Monaten war, auch wenn definitiv nicht alles so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hätte. Mit dem, was in jetzt auf mich zukommt.
Mit mir.
“it’s the end of the world as we know it
and i feel fine”
manchmal ist es gut, nicht so weit zu denken, einfach das zu tun, was der Bauch sagt, der Kopf, der alte Spielverderber brüllt schon noch irgendwann laut genug. Und so finde ich mich in einer Situation wieder, die mir Angst macht und gleichzeitig ein kleines bisschen Stolz. Die ich so nicht habe kommen sehen, und hätte mich vor ein paar Monaten jemand gefragt, ich hätte ungläubig mit dem Kopf geschüttelt und milde gelächelt. Mein Weg war so klar und deutlich vor mir ausgebreitet, und ich war mir so sicher, dass ich genau das, und nur das will. Und plötzlich, von einem auf den anderen Tag ist alles anders, zuerst unsicher und ungewohnt, mit kleinen, vorsichtigen Schritten und gesenktem Haupt. Und dann, nach einer Weile, sehe ich zurück und alles ist schon so weit entfernt. Dann sehe ich wieder nach vorne und atme tief ein.
Ich habe in den letzten Wochen und Monaten so vieles gesehen, so viele Menschen getroffen, und es tut so gut zu wissen dass es irgendwie immer weitergeht. Dass ein Abschied immer auch ein Neuanfang ist, dass ich keine Angst haben muss vor dem was kommt. Dass es oft schwer werden wird, dass ich mich einsam und alleingelassen fühlen werde, dass ich das Gefühl habe nicht mehr zu wissen, wie es weitergehen soll- udn am Ende doch alles irgendwie gutgeht. Ich versuche, meinen Kopf auf das, was mich in den nächsten Monaten erwartet vorzubereiten, ihm klarzumachen, dass dort alles anders sein wird aber keinesfalls schlechter. Dass mich Dinge erwarten, die mich begeistern, prägen und vielleicht auch traurig machen, und die mich ganz sicher mein ganzes Leben lang begleiten werden.
Und manchmal, da höre ich den Zweifler in meinem Kopf, der leise aber unaufhörlich flüstert. Der mir Angst macht. Angst davor, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben. Der mir zuflüstert, dass am Ende meiner Reise niemand mehr da ist, der auf mich wartet. Dass sich eben nicht nur meine Welt ein ganzes Stück weitergedreht hat sondern auch die aller anderen Menschen. Dass das, was jetzt gerade mit dem Großteil der Menschen passiert, die mir nahe waren auch mit dem kleinen verbliebenen Rest geschieht. Und ich glaube, das ist meine allergrößte Angst.
Aus den Augen, aus dem Sinn.



